Gesund leben mit ausreichend Ruhe

 

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Neben Bewegung und wenig Stress ist der dritte Baustein für ein gutes körperliches Wohlbefinden ausreichende Ruhe. Da ich selbst gerade von einer Erkältung genese, finde ich diesen Auszug aus meinem Buch gerade den passenden Text für alle, die die sich noch von Erkältungen erholen oder die die bekannte Frühjahrsmüdigkeit nicht wegdrücken, sondern auch ein bisschen erleben wollen. So, nun aber der Text aus dem Buch:  Ruhe, der dritte Baustein,  wird in unserer hektischen Welt gerne übersehen. Ich erlebe in meinen Gesprächen mit dicken Menschen oft, dass gerade sie sehr viel unter Stress stehen und viel um die Ohren haben. Vielleicht ist es der Wunsch, auf jeden Fall geliebt zu werden oder der Gedanke, für alle immer da sein zu müssen oder was auch immer. Sicherlich haben wir auch alle ein bisschen das Bestreben, gegen das Vorurteil unterwegs zu sein, dass dicken Menschen eine gewisse Trägheit zuschreibt. Damit dieser Stempel auf keinen Fall aufgedrückt wird, sind wir dann 150prozentig unterwegs.

Da ist viel Aktivität, viel Atemlosigkeit, viel Stress. Wir haben in unserem Leben oft vergessen, dass wir auch Phasen der Ruhe brauchen. Da gibt es einmal den regelmäßigen erholsamen Schlaf. 8 – 9 Stunden pro Nacht und richtig ausgeschlafen sind wir, wenn der Schlaf nicht durch einen Wecker unterbrochen wird, sondern wir ohne Wecker aufwachen. Leider für viele ein Traum. Oft kann eine Schlafkur schon kleine Wunder wirken. Die Schlafkur funktioniert ganz leicht, man geht einfach für eine oder zwei Wochen konsequent schon um 9 Uhr ins Bett.

Neben dem Nachtschlaf gibt es Ruhepausen im Alltag. Zeit für Dich. Zeit für Muse und Gammeln, für Langeweile – eben lange Weile. Hast Du in Deinem Leben genug Ruhepausen, in denen Du Luft holen kannst und ein paar kleine Momente nur für Dich hast? Gibt es Auszeiten am Tag und nach stressigen Zeiten vielleicht auch mal eine längere Auszeit? Was könntest Du in Deinem Leben verändern, um mehr Ruhepausen erleben zu dürfen?

Bei der inneren Erlaubnis Pausen einzulegen, haben wir es oft mit Überzeugungen zu tun, die wir in unserem Leben übernommen haben und die uns daran hindern, Pausen einzulegen. Hier wieder einige Sätze, bei denen Du überprüfen kannst, ob diese für Dich stimmig sind oder ob sich Widerstand regt. Wenn es einen Widerstand gibt, finde heraus, wie der Satz für Dich jetzt noch passend ist. Und stelle diesen dann in Frage. Nach dem Muster von Bryan Katie:

Meine Überzeugung lautet:

  • Kann ich mir absolut sicher sein, dass diese Überzeugung wahr ist?
  • Was würde ich denken oder fühlen, wenn ich diese Überzeugung nicht hätte?
  • Wie kann ich die Überzeugung „umdrehen“ und welche neuen Sätze erscheinen mir stimmig oder zumindest für eine Testphase interessant?

Hier ein paar Testsätze zum Thema Ruhe, mal sehen wie viele für Dich passend sind und wo Widerstände auftauchen:

  • Ich darf mir Pausen gönnen.
  • Ich darf faul und träge sein.
  • Ich bin nicht so leistungsfähig, wie andere.
  • Auch wenn meine Kinder und mein Mann/meine Frau was von mir wollen, kann ich mich jetzt erstmal im Sessel ausruhen.
  • Es tut mir gut an einem Tag in der Woche nicht zu arbeiten.
  • 8 oder 9 Stunden Schlaf ist genau richtig für mich.
  • Ich muss nicht immer was tun.
  • Wenn ich ruhig werde, bekomme ich Zugang zu meinen Gefühlen. Den guten wie auch manchmal den nicht so guten.
  • Wenn eine kleine Krankheit im Anmarsch ist, gönne ich mir schnell eine Auszeit, denn das ist das was mein Körper dann dringend braucht.

Was fällt Dir noch ein? Und was hindert Dich, Dir Pausen zu gönnen? Sind es andere Menschen, Vorstellungen, was Du im Leben noch tun musst oder auch der Glaube, nicht liebenswert zu sein, wenn Du nicht laufend für andere da bist? Es gibt vieles, was uns antreibt. Das ist ja auch gut so. Im richtigen Maß. Spannend finde ich zu erkennen, was genau uns antreibt. Also wie wir das konkret machen und welche Bedürfnisse wir damit befriedigen. Wenn wir das erkannt haben, können wir diese Bedürfnisse vielleicht auch anders befriedigen.

Dazu möchte ich gerne wieder ein Beispiel schildern. Julia ist eine sehr aktive Frau, sie managt unglaublich viel. Ihr Coaching muss sie immer mal wieder wegen Erkältungen absagen und irgendwann wird das zum Thema.  Allerdings nicht direkt, zunächst geht es um Lebensbalance.

Julia berichtet, dass sie sehr gerne arbeitet, sich dann aber auch immer mal atemlos und erschöpft fühlt. Ich stelle ihr die Übung der verschiedenen Persönlichkeitsanteile vor, aus der Reihe „Wer bin ich und wenn ja wie viele“. Wir haben immer viele verschiedene Anteile in uns und ich versuche mit ihr, diese Anteile zu benennen.

Julia, wie würdest du den Anteil in dir nennen, der sich verantwortlich fühlt, dass du gut arbeitest?

Julia: Hm, das ist so was wie ein General, sagen wir die Generalin. Die achtet darauf, dass alles immer läuft, strategisch gut funktioniert und niemand aus der Reihe tanzt.

Okay, wir haben also die Generalin. Das ist schon mal gut. Welchen Namen könntest Du denn dem Anteil geben, der sich dann durch Atemlosigkeit und Erschöpfung bemerkbar macht?

Julia denkt eine Weile nach und stellt mir dann einen tollen Vertreter für diesen Anteil vor: Das ist Donald Duck. Der will eigentlich nur auf seine Couch und seine Ruhe haben.

Okay, da gibt es also noch Donald. Wo du gerade dabei bist, gibt es noch mehr?

Julia lacht und zählt noch zwei weitere Charaktere aus dem Hause Disney auf: Ja doch, wenn ich bei den Comic-Figuren bleibe, dann gibt es da noch Dagobert. Wenn jemand seine Rechnung nicht bezahlt, dann tobt Dagobert. Gerne mitten in der Nacht. Er hält mich dann regelmäßig vom Schlafen ab. Und dann gibt es als totale Gegenspielerin Daisy, die durch das Leben tänzeln will. Die gibt es auch irgendwo, aber die spielt fast keine Rolle.

Das ist ein gutes Stichwort. Wenn diese Figuren auf der Bühne auftreten würden, wo würden wir sie auf der Bühne Deines jetzigen Lebens sehen?

Julia antwortet nach kurzem Nachdenken: Na die Generalin steht mitten auf der Bühne und ist sehr präsent. Dagobert steht auf gleicher Höhe, aber ein bisschen am Rande. Er hat alles im Blick und kann jederzeit, wenn irgendwas schiefgeht, voll auf die Bühne treten. Donald und Daisy sitzen unten in diesem Souffleurkasten und da ist ein Gitter davor. Sie würden wohl gerne mitspielen, aber die Generalin und Dagobert versuchen sie konsequent zu ignorieren.

Hast du eine Idee, wie sich die beiden in ihrem Souffleurkasten bemerkbar machen?

Julia: Ich glaube, Donald kooperiert mit meinem Körper. Der flüstert dem dann einfach ein, dass dieser krank werden soll. Denn sowie ich eine Erkältung habe, gibt es für mich die Erlaubnis einfach auf der Couch zu liegen und ein Hörbuch zu hören oder einen Film im Fernsehen anzuschauen. Dann hat er seinen Willen. Bei Daisy bin ich mir nicht so sicher, die schickt glaub ich nur noch Sehnsuchtsgefühle. Nach einem schicken Theaterbesuch oder einem tollen Essen in einem feinen Restaurant. Auch nach verrückter Mode und wahrscheinlich einfach nur Frau sein und lustig Geld ausgeben. Ich glaube, Daisy ist in meinem Leben sehr verschüttet. 

Tolle Bilder, Julia. Wie soll Dein Bühnenbild denn in der Zukunft aussehen?

Julia: Alle müssen auf die Bühne. Die Generalin kann sich mit Dagobert mehr an die Seite stellen. Sie ist wichtig und hat weiterhin einen zentralen Platz. Auch Dagobert soll schön weiter da sein und aufpassen, dass alles in einer finanziell guten Balance bleibt. Donald und Daisy sollen auf der anderen Seite oben auf der Bühne stehen. Gleich groß wie die Anderen und mit einer lauten Stimme. So dass sie mit ihren Bedürfnissen nicht im Verborgenen agieren müssen. 

Was brauchst Du, damit das neue Bühnenbild für Dich Wirklichkeit werden kann?

Julia: Ich glaube, ich brauch da mehr Balance. Und viel einüben. Gerade der Donald, der durfte sich mein ganzes Leben lang sein Recht nur mit Krankheiten nehmen. Bei uns zuhause wurde schon als wir Kinder waren, immer total viel Programm gemacht. Und danach in meinem erwachsenen Leben war immer irgendwas los. Da jetzt einfach mal so auf der Couch zu liegen, das erscheint mir fast unverschämt. Aber ich werde mal versuchen, ob ich es ausprobieren darf. Vielleicht erstmal nur ein bisschen. Bei Daisy habe ich noch keine richtige Idee, wie ich das machen soll. Ich glaube, der Donald reicht mir gerade. Die Daisy können wir uns später nochmal anschauen.

Julia war wegen anderer Themen immer wieder bei mir im Coaching. Nach etwa einem halben Jahr habe ich sie in Sachen Erkältungen angesprochen und sie hat mir strahlend berichtet, dass sie jetzt immer wieder „mit Donald“ zusammen auf der Couch liegt und sich einfach so Pausen gönnt. Seitdem ist sie nicht mehr krank geworden.  

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