Warum ich von Diäten genug habe, obwohl ich dünn bin

Giselas Bilder von Ostern 2007 029Ein Gastkommentar von Marcus Micksch

Dieses Thema ist schlimmer als die Pest, es ist nicht tot zu kriegen, scheint mir. Und obwohl ich laut dem beknackten BMI nicht übergewichtig bin und daher laut vielen Aussagen von Bekannten ein Glückspilz bin, kotzt mich das ganze Gefasel über „oh, ich muß da aufpassen!“ oder „nee, ich darf nicht, hab schon zuviel auf den Hüften“ nur noch an.
Kombiniert mit dem Vorwurf „wie kannst du nur soviel Süßes vertragen und dann nicht zunehmen?“ „Unsereiner kriegt sofort dafür die Rechnung!“.

Was soll ich dazu sagen?!

Wenn ich nach den Zahlen des BMI gehe, hab ich eigentlich schon die Schwelle zur Magersucht betreten. Soll ich jetzt mehr essen, obwohl mein Körper sagt „du bist satt!“ nur um irgendwelche Zahlenwerte wie in einem Rollenspiel zu pushen? Was hab ich denn davon? Was soll das bitte schön für mich bringen? „Aber ein paar Kilo mehr könntest du schon vertragen!“ Das habe ich auch schon des öfteren gesagt bekommen.

Eine ganz schöne Unverschämtheit sich anzumaßen, über das Gewicht einer anderen Person zu urteilen. Aber Gang und Gäbe hierzulande. Das einzige Thema wo jeder eine Meinung hat und sich einmischt. Aber mein Körper gehört mir! Und ich fühle mich wohl darin und ich mag mich so
wie ich bin.

Meine Freundin ist dick. Sie isst worauf sie Lust hat genau wie ich, gesundes und ungesundes, bewegt sich ganz normal häufig und hat sich auf ein Gewicht eingependelt seit wir vor vielen Jahren zusammenkamen.
Ich hab ihr nie gesagt, „du musst abnehmen!“ oder andere verschleierte negative Botschaften und Signale ausgesendet. Ich weiß über ihre Vergangenheit zu diesem sensiblen Thema Bescheid, und hab sie seitdem so akzeptiert und lieben gelernt.

Und trotzdem dringen die lauten Signale der Optimierer und Zweifler, die uns etwas eintrichtern und verkaufen wollen, gefühlt fast jeden Tag bis in unser kleines Reich. Es macht mich wütend und ohnmächtig zu gleich. Dabei stören mich regelmäßig diese drei Punkte:
1. Es gibt zu wenig Liebe auf der Welt

Gegenüber anderen Menschen und gegenüber einem selbst. Den eigenen Körper und den der anderen zu akzeptieren, wenn er nicht „der Norm“ entspricht, ist scheinbar für viele keine Option.

2. Die Diätindustrie bietet nur Mittel gegen Symptome und nicht gegen Ursachen

Was soll das bringen? Gewichtsreduzierung mit allen Mitteln ohne zu verstehen, warum der Körper soviel Fett gespeichert hat? Hauptsache weg damit, dann ist alles gut und alle Menschen werden mich plötzlich lieben! Der schnelle Erfolg ist eben verlockender, als viele Jahre den
Schutt der Vergangenheit wegzuräumen. Aber: Nach der Diät ist vor der Diät! Wer gegen seinen Körper arbeitet wird niemals gewinnen.

3. Aus Fehlern lernen

Das haben, seit vor vielen Jahrzehnten plötzlich viele Menschen ins Übergewichtsraster eines Statistikers einer Krankenversicherung fielen, die wenigsten. Wie auch? Der Verstand wird bei diesem Thema zu selten benutzt. Der Glaube, ich bin besser als die anderen, die anderen konnten sich eben nicht zügeln, doch ich werde es ihnen beweisen, dominiert.
Leute! Aufwachen! Hört auf an der Oberfläche zu kratzen und stellt euch mal euren wirklichen Problemen! Damit helft ihr euch und eurer  Umgebung viel mehr.

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