Hast Du Angst, Dich zu bewegen?

DSCN4052Bewegung ist ein wesentlicher Faktor für das menschliche Wohlbefinden! Trotzdem fällt dies nicht allen dicken Menschen leicht. Manche haben viele negative Erfahrungen gemacht und vielleicht bereits aus dem Sportunterricht in der Schule gespeichert, dass Sport und sie selbst zwei völlig gegensätzliche Dinge sind. Dennoch: Auch dicke Menschen können und sollen sich bewegen.  Dein Körper ist dazu da, bewegt zu werden! 

Wenn ich Dich aber trotz der aufgeführten Vorteile doch nicht erreiche? Im Gegenteil, alle angeführten Argumente sind schlüssig, aber Du hast Angst 1515oder bist einfach nur misstrauisch? Alle bisherigen Erfahrungen waren nun mal negativ und eher mit Schmerzen verbunden. Warum sollte es jetzt plötzlich Spaß machen? Und warum sollte es diesmal anders werden, als sonst? Ist dies nicht dieselbe Falle, in die man auch regelmäßig bei den zahlreichen Diäten tappt, indem man jedes Mal von neuem denkt, daß es diesmal doch funktionieren wird, obwohl es tausendmal nicht geklappt hat?

Es gibt einen wesentlichen Unterschied, der für uns Dicke neu und manchmal revolutionär ist. Du  solltest nicht Sport treiben, um danach ein besserer, weil gesünderer und fitterer (und vielleicht sogar schlankerer) Mensch zu sein. Dies bedeutet nämlich im Umkehrschluss, daß Du jetzt kein guter Mensch bist. Und genau das bist Du! Du bist ein guter Mensch, der keine Schuld an seiner Figur hat! Wenn Du Sport treibst, dann, weil es für Dich eine Möglichkeit ist, anders durchs Leben zu gehen. Aber auch wenn Du Dich nicht dafür entscheidest, bleibst Du ein guter Mensch. Genauso wie tausend andere dünne und dicke Menschen, die nämlich auch nicht viel Wert auf sportliche Bewegung legen.

Es kann aber noch andere Gründe geben, warum sich Deine Nackenhaare beim Gedanken an Sport sträuben. Eine mögliche Ursache ist die Angst vor Schmerzen und Verletzungen. Vielleicht bist Du mit dem Grundsatz „Sport ist Mord“ aufgewachsen, und vor einigen Sportarten hast Du auch nach wie vor Angst. Nun ist zum einen nicht jede Bewegungsform unbedingt gefährlich und es gibt natürlich auch viele Möglichkeiten, sich vor Unfällen und Verletzungen zu schützen. Solltest Du Angst vor Verletzungen haben, setze Dich hin und liste diese Ängste auf. Vor welchen Verletzungen fürchtest Du Dich und welche negativen Erfahrungen bringst Du in dieser Hinsicht mit? Je nachdem wie diese Liste aussieht, kannst Du die Auswahl der möglichen Sportarten begrenzen. Vielleicht kommst Du auch auf den Gedanken, dass es am Anfang gar keine Sportart im klassischen Sinne sein soll. Sondern es eher um ein bisschen mehr Bewegung geht. Darum eine Station früher aus dem Bus auszusteigen und den Rest nach Hause zu laufen. Oder um ein paar Stretchingübungen, wenn Du morgens aufstehst und in Pausen am Schreibtisch. Oder, oder, oder… Wichtig ist, dass Du, was immer Du etablieren willst, dies mindestens 4 Wochen regelmässig tust. Solange braucht Dein Gehirn, um eine Veränderung als „normal“ zu akzeptieren und diese Veränderung nicht als unnötigen Aufwand wieder in der Schublade verschwinden zu lassen. Unser Gehirn ist einfach unglaublich energieeffizient.

Egal, für welche Bewegungsform Du Dich entscheidest: Respektiere in jedem Fall Deine Grenzen. Kleine Schmerzen in Muskeln lassen sich oft durch Lockerungen der Muskelpartie lösen. Schüttel und lockere die entsprechenden Partien, um sie anschließend langsam und nicht zu weit zu dehnen. In den meisten Fällen sollten die Verspannungen dann langsam nachlassen. Hast Du stechende oder sehr starke Schmerzen, höre sofort mit der sportlichen Betätigung auf. In diesem Fall nennt der Körper seine Grenzen. Lassen diese nicht nach, such eine Ärztin auf, um abzuklären, ob eine Verletzung weitergehende Behandlung bedarf oder einfach nur heilen darf. Ein moderater Muskelkater ist übrigens nach den ersten Bewegungen normal und nicht weiter schlimm. Geniesse ihn und die Entdeckung, dass Du Muskeln hast, von denen Du bisher gar nichts wusstest. Wenn er wieder abgeklungen ist, kannst Du weitermachen. Er wird immer weniger werden und irgendwann gar nicht mehr auftreten.

Belästigungen durch dumme Sprüche

Eine weitere Sorge, die nicht ganz unberechtigt ist, ist die Sorge vor Belästigungen und dummen Sprüchen. Dies ist in der Tat mehr als ärgerlich, weil es gerade im sportlichen Bereich so paradox erscheint. Auf der einen Seite wird immer gesagt, dicke Menschen sollten sich nur ein bißchen mehr bewegen, dann wären sie auch nicht so dick und träge. Auf der anderen Seite wird sich dann beschwert, es sei eine Zumutung, dicke Menschen im Schwimmbad oder auf dem Fahrrad sehen zu müssen. Ja, was denn nun? Sollen wir uns bewegen, dann müssen wir dies auch irgendwo tun können. Oder sollen wir uns auf die Couch ablegen und damit alle Vorurteile bestätigen? Es ist ausgesprochen ärgerlich und verletzend, gerade am Anfang, wenn Menschen sich über Dich, Dein Aussehen und Deine Mühen lustig machen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, sich gegen Angriffe von unseren „lieben“ Mitmenschen zu wappnen.

Stelle Dir im Vorfeld vor, welche Bemerkungen im schlimmsten Fall gemacht werden könnten. Fallen sie dann tatsächlich, bist Du nicht mehr ganz so überrascht und völlig von den Socken. Du kannst Dir natürlich auch schon mal Erwiderungen einfallen lassen, vielleicht hast Du ja „Glück“ und kannst diese dann auch tatsächlich anwenden. Allerdings ist die Erfahrung von vielen dicken Menschen, die gewappnet in eine Situation gehen, dass sie gar nichts hören. Das liegt in meinen Augen an einer anderen Ausstrahlung. Wenn wir wissen, wie wir reagieren werden, strahlen wir keine Opferenergie mehr aus. Das merkt unser Gegenüber unbewusst.

Meistens. Leider nicht immer. Also schauen wir uns auch noch die Situation an, in der Du tatsächlich beleidigt worden bist. Und Dir keine passende Bemerkungen in dem Augenblick eingefallen ist? Lass möglichst zügig los! Wir tendieren dazu, eine dumme Bemerkung tage- oder wochenlang mit uns rumzuschleppen, und das ist der Idiot, der sie von sich gelassen hat, nun wirklich nicht wert. Ruf eine gute Freundin an und erzähle ihr von der Begebenheit. Überlegt gemeinsam, welche Bemerkungen angemessen gewesen wären. Auch im nachhinein kann dies helfen und bestimmt fürs nächste Mal vorbeugen. Ja, und lasse Dich trösten, immerhin ist so ein verbaler Angriff eine Unverschämtheit, die Du nicht verdient hast.

Zur Vorbereitung hier einige mögliche Reaktionen im Schwimmbad auf Beleidigungen, die Kathrein, eine begeisterte Schwimmerin zusammengestellt hat:

Am besten kontert man auf blödes Glotzen (und Tuscheln) mit ganz sturem Zurückstarren – bis das Gegenüber knallrot wird oder wegguckt (auch wenn das eine Weile dauern kann, also unbedingt üben!). Und wenn man den „Glotzwettbewerb“ gewonnen hat, kann man ja noch ein „Das war ja wohl nichts, oder?“ hinterherwerfen.

Ein möglichst scharfes „Was ist Dein (Ihr) Problem? Noch nie ’ne dicke Frau im Badeanzug gesehen oder was?“ (oder ähnlich, je nach Situation) treibt auch manchem Glotzer die peinlich berührte Röte ins Gesicht – sehr aufbauend. Manchmal hilft auch ein Hinweis auf offensichtlich nicht vorhandene, gute Manieren. Hängt natürlich vom Gegenüber ab – nicht jedem ist es unangenehm, wenn seine „Kinderstube“ kritisiert wird.

Dumme junge Bengels, die besonders gerne Frechheiten ablassen, kann man mit folgendem Spruch besonders gut verstummen lassen: „Ist mir ja klar, daß du noch zu jung und zu grün bist, um echte weibliche Formen zu schätzen, aber das macht nichts, du wächst ja noch.“ Peinlich, peinlich, vor allem, wenn seine Kumpels dabei sind.

Auf Unverschämtheiten kann man – je nach Situation – manchmal auch recht sachlich und ruhig reagieren: „Das ist ja ’n Ding. Wieso haben SIE eigentlich ein Problem damit, daß ICH dick bin???“ Wichtig ist auch, daß man solche Sprüche „parat“ hat, also daß man nicht unbedingt schlagfertig zu sein braucht. Am besten ist es, wenn man solche Reaktionen zum Beispiel mit einer Freundin oder in einer Gruppe übt, vielleicht als Rollenspiel.

Im großen und ganzen ist der beste Schutz gegen Beleidigungen, hocherhobenen Hauptes und nicht mit hochgezogenen Schultern durch die Welt zu gehen, Leuten in die Augen zu schauen und möglichst viel Selbstvertrauen auszustrahlen. Angegriffen wird man vor allem dann, wenn man verletzbar erscheint und den Eindruck macht, ein gutes, weil wehrloses, Opfer zu sein.

Sport unter Freunden

In größeren Städten gibt es immer wieder Sportangebote für dicke Menschen. Ob Aquafitness, Yoga oder Beachvolleyball, immer wieder finden sich spannenden Angebote für dicke Menschen. Natürlich muss man diese ein bisschen suchen oder auch selber aktiv werden. Im Sportverein oder bei der VHS nachfragen. Auf Bedarf wird manchmal reagiert. Und wenn man gleich einige Freundinnen mitbringen kann, wird dies für den Anbieter natürlich noch interessanter. Bestehende Angebote sind aber durchaus auch zu finden. Die Suche im Internet dazu lohnt sich immer wieder.

Schreibe einen Kommentar