Leben im Einklang mit meinem Körper

Für mich heißt ein Leben im Einklang mit mir selber immer auch eine kleine Revolution im Außen. Nun wirst Du Dich vielleicht wundern, warum ich dies so radikal schreibe. Natürlich will ich dies gleich begründen.

Leben im Einklang mit mir selbst bedeutet für mich – neben sicherlich vielen anderen Bereichen – in Sympathie und Fürsorge mit meinem Körper zu leben. So wie er ist. Hört sich gut an, oder? Der einzige Hacken: Ich bin dick!

Ärzte schreiben stark adipös, höfliche Menschen umschreiben es schamhaft mit Übergewicht, wohlwollende Menschen halten mich für mollig, ich beschreibe es, wie es ist:

Ich bin dick. 

Ich habe in den letzten Jahrzehnten viel dafür getan, mich mit meinem dicken Körper zu arrangieren und ihn in seinen vielen Fähigkeiten und Möglichkeiten lieben zu lernen. Und ich habe mich viel aus eigener Erfahrung und dann auch aus wissenschaftlichen Hintergründen damit beschäftigt, dass ich nicht wirklich nachhaltig abnehmen kann. Nicht weil ich besonders doof bin, sondern weil es genügend Studien gibt, die nachweisen, dass 95% aller Diäten auf die Sicht von 5 Jahren und länger scheitern. Im Gegenteil, man setzt sich vielen gesundheitlichen Gefahren aus und wird langfristig dicker. Schön, dass ich das weiß und schön, dass ich damit einen guten Umgang gefunden habe. Nachdem ich bis zu meinem 30sten Lebensjahr alle möglichen Diäten gemacht habe und sicherlich einen gestörten Stoffwechsel und ein kontrolliertes Essverhalten daraus mitgenommen habe, habe ich in den letzten 20 Jahren wieder gelernt, mit Lust zu essen. Das was ich will. Ohne oder nur mit moderaten Schuldgefühlen. Moderat, weil ich manchmal über die Strenge schlage und mein Körper mir dann sagt, dass es zu viel war. Das tut mir nicht gut und meinem Körper auch nicht. Ich gelobe Besserung. Aber der Abend mit Freunden war einfach zu schön. Muss schließlich auch mal sein.

Soweit so gut, ich lebe im Einklang mit mir und meinem Körper. Leider sehen das andere Menschen nicht so. Ich geh zu einem neuen Facharzt, der eigentlich meine Nervenleitfähigkeit feststellen soll. Er zettelt ein Gespräch über Gewichtskontrolle an. Ich gehe in ein Restaurant und kann nicht bequem sitzen, weil die Stühle zu eng sind. Wenn ich auf mein Fahrrad steige, muss ich damit rechnen, dass jemand meinen Körper abwertend kommentiert. Ganz zu schweigen von ungefragten Ernährungstipps, die mir bei Small Talk Gesprächen angeboten werden. „Damit Sie sich wohler in Ihrer Haut fühlen“. In allen Situationen prallt mir Unverständnis entgegen, wenn ich erkläre, dass ich mich auch mit diesem Körper schon sehr wohl fühle. In dieser schlankheitsfixierten Welt ist dies nicht vorgesehen.

In meinem Leben habe ich gute Wege gefunden, im Einklang mit meinem Körper zu leben. Ich bin übrigens überzeugt, dass ihm dieser Umgang deutlich besser tut als ständig gegen ihn zu kämpfen und ihn weniger machen zu wollen. Und ich könnte mir ein Leben im Einklang mit mir selbst, aber im Kampf gegen meinen Körper nur schwer vorstellen.

 

Am besten komme ich klar, wenn ich mich unter Menschen bewegen, die schon wissen, dass ich diese Zufriedenheit mit mir gefunden habe. Die mich dafür sogar beneiden, wenn nicht sogar ein bisschen bewundern. Natürlich findet das Leben nicht nur in einer geschlossenen Community statt. Beim Kontakt mit neuen Menschen hilft mir Freundlichkeit, Humor und das Verständnis, dass nicht jeder gleich aus gewohnten Sichtweisen herausfindet. Und Deutlichkeit, wenn es darum geht, dass jemand auf den Gedanken kommen sollte, mich respektlos zu behandeln.

Ich bin gespannt, inwieweit bei anderen Menschen beim Thema Einklang mit sich selbst, das Thema Einklang mit dem eigenen Körper eine Rolle spielt. Deshalb habe ich mich gerne an der Blogparade von Kreativgedacht beteiligt, einfach um hoffentlich mit vielen anderen Menschen zu diskutieren. Ich freu mich drauf.

 

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