Die Gefahren von Diäten

Ein Auszug aus dem Buch: 

Der Gewichtsverlust durch eine Diät ist in den meisten Fällen nicht langfristig. Langfristig können aber die Schäden sein, die eine Diät dem Körper zufügt. Denn Body&Peace Workshop 2012 Berlindie weitverbreitete Annahme, der Körper würde bei verringerter Nahrungszufuhr Fett abbauen, ist falsch. Der Körper baut sich selbst ab. Bei radikalen Diäten können Muskeln, Knochen und sogar Organe abgebaut werden. Die Muskeln, die am meisten gefährdet sind, sind die Herzmuskeln. Das Risiko am Herz zu erkranken ist 70 Prozent höher, wenn das Gewicht stark schwankend ist. Unabhängig von der Höhe des Gewichts, des Blutdrucks, der Rauchgewohnheiten, des Cholesterinspiegels und der körperlichen Aktivitäten.[1]

Hoher Blutdruck ist ein weiterer Nebeneffekt bei Diäten, verursacht durch hohen physischen und psychischen Stress. Der ernährungsbedingte Stress kann auch zu einem elektrolytischen Ungleichgewicht führen, das heißt im Blut befindet sich eine sehr geringe Menge an Kalium, welches zum Herzinfarkt führen kann. Und wenn der Körper zuletzt doch Fett abbaut, dann schwimmt dieses zunächst im Blut, was für längere Zeit eine dramatische Verschlechterung der Lipidwerte zur Folge hat mit dem Risiko eines Herzinfarktes. Studien darüber werden der Öffentlichkeit vorenthalten.

Ein direkter Zusammenhang zwischen Diäten und Osteoporose konnte auch nachgewiesen werden. Osteoporose ist eine tödliche Krankheit, die aufgrund eines Kalziummangels zum Knochenabbau, bzw. zu stark zerbrechlichen Knochen, führt. Schon ein fünf monatiges Diätprogramm kann zu einem signifikanten Knochenverlust führen.

Die Liste der Krankheiten, die mit Diäten verbunden werden, ist lang und wird mit jedem Tag ein bißchen länger. Es weisen immer mehr Studien nach, dass unsere „Kuren” uns umbringen. Die Krankheitsliste enthält beispielsweise: Angstzustände, Depressionen, Lethargie, verringertes Selbstbewußtsein, verminderte Aufnahmefähigkeit, Schwächeanfälle, hoher Blutdruck, Haarverlust, Gallenblasenkrankheiten, Gallensteine, Herzinfarkte, Verstopfung, Anämie, trockene Haut, Schwindelanfälle, vermindertes Sexualbedürfnis, Menstruationsunregelmäßigkeiten, Unfruchtbarkeit, Nierensteine, Taubheit in den Beinen, Geschwüre, Gewichtszunahme, Eßstörungen, verringerte Abwehrkräfte, Gicht, verringerte Bewegungstoleranz, elektrolytisches Ungleichgewicht, Knochenverlust, Osteoporose und Tod.[2]

Wenn man sich diese Liste anschaut, dann ist es vielleicht ein bisschen einfacher, von Diäten loszukommen. Dennoch gibt es auch Gefahren, die in einem dicken Körper schlummern. Wie in jedem Körper übrigens. Denn auch in einem schlanken Körper schlummern zahlreiche Krankheitsgefahren, nur wird bei diesen dem Patienten nicht automatisch die Schuld gegeben bzw. es wird nicht das Gewicht als ursächlicher Grund für die Krankheit gesehen.

Warum also noch Diäten machen?

Warum sich selbst für einen Körper schuldig fühlen, der an nichts Schuld hat, sondern einfach nur nach seinem besten Programm funktioniert?

Ich glaube, wir sind zutiefst verunsichert durch viele Botschaften, die uns verändern wollen und uns sagen, dass wir so wie wir sind nicht richtig und nicht gesund sind. Diese Botschaften, die uns bewusst und unbewusst erreichen, sind schwer mit einem Buch und einigen Studien zu widerlegen. Sie sitzen tief. Um uns in unserem tiefsten Inneren mit uns im Reinen zu fühlen, ist noch viel Arbeit angesagt. Arbeit übrigens, die bei vielen mit Rückschlägen, ich nenne sie lieber Ehrenrunden, verbunden sind. Trotzdem möchte ich Dich nach diesen einleitenden zentralen Fakten schon mal einladen, kurz für Dich das bisher Gelesene Revue passieren zu lassen.

Was heißt es für Dich? Wie möchtest Du mit den Informationen zum Thema Lebenserwartung und Gesundheit in einem dicken Körper umgehen? Was machst Du damit, dass Diäten ohnehin kaum funktionieren? Hast Du Lust, Dich gegen den Mainstream zu stellen? Oder sind Deine Zweifel trotz allem zu groß? Denn was ist schon ein Buch? Was sind schon einige Untersuchungen?

Diese Entscheidung ist Deine. Eine Entscheidung, ob Du – ich sage es gerne plakativ – weiterhin glauben willst, die Erde sei eine Scheibe oder ob Du Dich im Widerstand gegen die Mehrheit auf die Suche nach neuen Antworten machen willst.

Die Mehrheit der Medizin, die Mehrheit der Medien und die Mehrheit der Gesellschaft wird sagen, probiere es weiter, Übergewicht ist ungesund, Du musst es einfach schaffen, abzunehmen. Andere haben es bereits geschafft und ein vollwertiges Leben in dieser Gesellschaft ist nur möglich, wenn Du abgenommen hast. Auch wenn dies bisher für Dich unmöglich war, irgendwann wirst Du es schaffen.

Soviel zu der mehrheitlichen Verheißung, bei der es schwer fällt, dagegenzuhalten. Wenden wir uns den Stimmen der Minderheit zu, die es selbstverständlich auch gibt, allerdings längst nicht so lautstark. Denn an der Aussage: Versuche ein gesundes und glückliches Leben zu leben, mit dem Körper, den Du gerade hast; können viel weniger Menschen Geld verdienen. Und sie ist derzeit auch noch so klein, dass es wenig Unterstützung gibt, um effektiv zu wachsen. Aber das ist ein anderes Thema. Hier geht es um die Bewertung Deiner eigenen Erfahrungen und der Möglichkeit, diese dazu zu nutzen, Dich von der Vorstellung, dass nur ein schlanker Körper ein guter und gesunder Körper sein kann, zu verabschieden. Eine komische Vorstellung? Nach all den Jahren, den vielen Gedanken und schlechten Gefühlen bezüglich Essen? Ja, ungewohnt, oder? Ganz zu schweigen von den Ängsten, die auftreten können. Wenn ich keine Diäten mehr machen werde, dann gehe ich auf wie ein Hefekuchen. Ich will nicht dicker werden. Ich will eigentlich schon nicht so aussehen, wie ich jetzt aussehe und schon gar nicht dicker.

Mit Annabell habe ich im Rahmen eines Coachings genau zu diesen Ängsten gearbeitet. Sie nannte als wesentliche Angst, aufzugehen wie ein Hefekloß. Die komplette Kontrolle über sich zu verlieren. Hier eine kurze Sequenz aus unserer Arbeit:

Annabell, was heißt es für Dich, die komplette Kontrolle über Dich zu verlieren? Wie müsste ich mir das vorstellen, wenn das genau eintritt?

A: Dann würde ich 250 kg wiegen, ich könnte mich nicht mehr bewegen, und ich würde nur noch im Bett liegen.

Und kannst Du Dir absolut sicher sein, dass dieses Szenario eintreten wird?

A: Nein, klar, absolut sicher kann ich mir nicht sein.

Wie fühlst Du Dich, wenn Du an dieses Horrorszenario denkst?

A: Ich bin fast wie gelähmt, alles um mich rum ist Angst und da ist auch viel Panik.

Wie würde es Dir gehen, wenn Du diesen Gedanken nicht hättest?

A: Dann könnte ich viel entspannter loslassen und wäre viel weniger angespannt, was meinen Körper angeht. Überhaupt (lacht), mein ganzes Leben wäre wahrscheinlich ein bisschen entspannter, weil ich dieses ewige Schuldgefühl nicht mehr hätte.

Und wenn Du jetzt einmal tief Luft holst und entspannt darüber nachdenkst, keine Diäten mehr zu machen. Wie fühlt sich das dann jetzt an?

A: Die Angst ist vielleicht etwas kleiner. Ein bisschen kommt mir auch die Idee, dass ich ja nicht gleich 250 kg wiegen würde, selbst wenn ich jetzt zunehme. Vielleicht kann ich es ein bisschen ausprobieren und schauen, wie es mir geht und ob ich wirklich zunehme, wenn ich mein Essen nicht mehr kontrolliere, bzw. nicht regelmäßig Diäten mache, um mein Gewicht unter Kontrolle zu halten.

Die Ängste, die wir mit dem Kontrollverlust verbinden, sind bei vielen Menschen immens. Und meist sehr unbewusst. Hier im Verborgenen entwickeln sie eine starke Wirkkraft. Weil unbewusst, werden sie nicht hinterfragt, aber sie produzieren das Bild, dass wir unseren Körper kontrollieren, dass wir sogar gegen ihn kämpfen müssen. Erklär das mal einem Besucher von einem anderen Planeten. Ja, wir haben einen Körper und der ist in der Regel unser Feind. Unsere Waffe sind Diäten und damit halten wir unseren überschwenglichen Körper, diese unmöglichen Fettmassen in Schach. Ich bin sicher, das Wesen vom anderen Planeten würde sehr erstaunt abreisen.

 

Vorteil Übergewicht

Was für grandiose Zeiten wären das, wenn Ärzte bei bestimmten Krankheiten zu uns sagen würden: Bitte achten Sie auf Ihr Gewicht. Es sollte lieber so bleiben, wie es ist, dies ist für Ihre Genesung gerade das Beste.

So utopisch und fantastisch sich das anhört, so richtig wäre es. Es würde unsere Lebenserwartung verlängern und bei bestimmten Krankheiten ist Gewicht und unser Fett ein wichtiger Schutz und Garant für eine ausreichende Versorgung.

Leider wird in der Medizin und beim Arzt bisher nicht erwähnt, dass dicke Menschen bei bestimmten Krankheiten im Vorteil sind. Entweder weil sie an diesen überhaupt nicht erkranken oder weil das Fett ein zusätzlicher Schutz oder eine Ressource für einen guten Heilungsprozess darstellt. Beispielsweise sind die Risiken geringer an verschiedenen Arten von Krebs sowie an Atemwegsbeschwerden zu erkranken. Bei  dicken Menschen kommt Brustkrebs in den mittleren Jahren sowie Magenkrebs, Lungenkrebs, Dickdarmkrebs und Hirnhauterkrankungen seltener vor. Ebenso gibt es Befunde, dass sie mit Krebs länger leben als Dünne. Auch die Häufigkeit von Bronchitis und Tuberkulose, Blutarmut, Magengeschwüren und Hüft- und Wirbelsäulenbrüchen ist geringer. Überhaupt darf der Schutz unseres Umfangs bei Unfällen, Stürzen und anderen Verletzungen nicht unterschätzt werden. So gibt es Berichte von dicken Menschen, die sich zweimal mit dem Auto überschlagen haben.  Ohne größere Verletzungen. Sicherlich war da auch Glück im Spiel, aber selbst die überraschten Ärzte mussten zugeben, dass gerade die inneren Organe in dem Fall gut geschützt waren und nur einige oberflächige Prellungen zu heilen waren.[3]

Dennoch gibt es natürlich auch Untersuchungen, die diverse gesundheitliche Risiken bei dicken Menschen nachgewiesen haben. Viele der dabei nachgewiesenen Krankheiten finden sich schon auf der Liste der möglichen Krankheiten, die durch Diäten verursacht werden. Die meisten MedizinerInnen, die über übergewichtige Menschen forschen, unterscheiden nicht zwischen solchen Menschen, die Diäten gemacht haben und solchen, die keine gemacht haben. Dies ist in der westlich industrialisierten Welt auch schwierig, da die meisten dicken Menschen hier eine Diätvergangenheit haben.

Studien in anderen Kulturen – in denen füllige Körper akzeptiert sind – zeigen, dass sehr viele „Dicken-Krankheiten“ wesentlich seltener auftauchen als bei dicken Menschen aus unserem Kulturkreis. Dies ist ein Indikator, dass Diäten und der Stress in einer schlankheitsbesessenen Gesellschaft zu leben, viele Probleme verursachen. Ancel Keys hat 16 verschiedene Langzeitstudien in sieben verschiedenen Ländern zur Frage der Relation zwischen Fettleibigkeit und Todesrisiko koordiniert und stellte im Gegensatz zur Annahme vieler Krankenkassen fest: „In keinem Land dieser Studie war Übergewicht oder Fettleibigkeit ein großes Todesrisiko oder der Auslöser für eine Herzkrankheit“.



[1] Framingham Studie, veröffentlicht  im „New England Journal of Medicine“, 1991

[2] Dwan Atkins „Weight Loss, Fact and Fiction“ von NAAFA, USA

[3] David Garner „Rent a new body” in Radiance 1991

Schreibe einen Kommentar